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Karten zum weltweiten Fossilbericht zeigen große Wissenslücken

Wien (OTS) – Paläontologen haben eine Weltkarte als Leitfaden für
Fossiliensucher
gezeichnet: Sie identifizieren weltweit Regionen aus bestimmten
Erdzeitaltern, aus denen bisher kaum Fossilien bekannt sind. Die
Übersicht zeigt, wo sich die Suche nach vergangenem Leben für
Forschende besonders lohnt. Vor allem geologische Schichten aus der
jüngeren Erdgeschichte sind in vielen Regionen noch unerforscht. Die
Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Science Advances
veröffentlicht.

Fossilien lassen uns tief in die Erdgeschichte blicken. Sie
liefern Aufschluss über ausgestorbene Tiere und Pflanzen sowie
vergangene Ökosysteme. Allerdings ist der Fossilbefund sehr
unvollständig: Dass ein Lebewesen überhaupt zum Fossil wird, ist ein
seltener Zufall, und nur ein kleiner Teil wird tatsächlich
überliefert. Hinzu kommt, dass aus vielen Regionen keine Fossilfunde
dokumentiert sind – sei es, weil die Gegenden unzugänglich sind oder
sie bisher aus anderen Gründen nicht beforscht wurden.

Thomas A. Neubauer von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen
Sammlungen Bayerns (SNSB) und Mathias Harzhauser vom
Naturhistorischen Museum Wien (NHM Wien) haben in ihrer Studie die
Lücken im weltweiten Fossilbestand der artenreichen
Flachwasserbereiche der Ozeane identifiziert. Dazu durchsuchten sie
die Archive der Paleobiology Database (PBDB), der weltweit
wichtigsten frei zugänglichen Datenbank für Fossilfunde. Diese
umfasst alle publizierten und digital erfassten paläontologischen
Informationen.

Anschließend unterteilten sie die Welt in gleichmäßige Sechsecke
(Hexagone) und übertrugen die räumliche Ausdehnung aller Fossilfunde
der marinen Flachwasserablagerungen der letzten 540 Millionen Jahre
auf diese Weltkarten. Für 49 Zeitschnitte wurden die Karten so
zurückgerechnet, dass sie die jeweilige historische Lage der
Kontinente berücksichtigen. Die Forscher übertrugen die bekannte
Ausdehnung geologischer Ablagerungen auf die Karten, um darzustellen,
wo es noch potenzielle Gebiete gibt. Darüber hinaus quantifizierten
sie den Wissenszuwachs für jedes Hexagon für jeden Zeitschnitt. Auf
diese Weise kann gezeigt werden, welche Regionen gut dokumentiert
sind und wo große Wissenslücken herrschen.

Die Auswertung zeigt: Paläontologisch gut untersucht sind vor
allem das frühere Erdmittelalter (Mesozoikum) und Erdaltertum (
Paläozoikum). Dort erwarten Neubauer und Harzhauser auch in naher
Zukunft keinen nennenswerten Zuwachs an Fossilfundstellen. Die
Forschung über diese Erdzeitalter scheint hauptsächlich in bereits
gut untersuchten Gebieten durchgeführt zu werden. Am dünnsten ist die
Abdeckung des Fossilberichts in der jüngeren Erdgeschichte: Zu den
noch am wenigsten erforschten Bereichen gehören die
Flachwasserablagerungen aus der Erdneuzeit.

„Wir waren überrascht, wie groß die Areale sind, aus denen
keinerlei Informationen vorliegen“, sagt Harzhauser. „Aus vielen
Regionen werden wir nie Daten erheben können, weil hier keine
Ablagerungen erhalten sind. Das sind unüberwindliche Grenzen für den
Wissenszuwachs, die von uns erstmals quantifiziert und dargestellt
werden.“ Dem gegenüber stehen Regionen, die Fossilfunde potenziell
beherbergen, aber bisher noch kaum untersucht wurden. „Dass viele
Regionen der Erde noch unerforscht sind, macht Hoffnung auf spannende
Neuentdeckungen – so sind unsere Karten eine Art Wegweiser für
künftige Forschungsprojekte und ein Leitfaden für Fördergeber“, so
Neubauer vom SNSB.

Publikation: Neubauer, T.A., Harzhauser, M. 2026. Staking out the
frontiers: the limits of the metazoan shallow marine fossil record.
Science Advances.

Pressefotos finden Sie hier .

Wissenschaftlicher Rückfragehinweis

Univ.-Prof. Dr. Mathias Harzhauser
Direktor der Geologisch-Paläontologischen Abteilung, NHM Wien
Tel.: +43 1 52177-250 I mathias.harzhauser@nhm.at

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